Abiverwaltung

Abizeitung

Abizeitung erstellen: Ablauf, Zeitplan und Aufgaben

Eine Abizeitung ist kein Schulprojekt, sondern ein kleines Verlagsprojekt: 100 Leute liefern Inhalte, fünf setzen sie zusammen, und am Ende muss ein Druckauftrag pünktlich raus. Die gute Nachricht: Der Ablauf ist bei fast jedem Jahrgang gleich. Wer ihn kennt, braucht weniger Nerven.

Hier steht, was in welcher Reihenfolge zu tun ist, wie viel Zeit die Schritte brauchen und welche Aufgaben sich verteilen lassen. Die Zeitangaben gehen vom Zeugnistermin aus. Den für euer Bundesland findet ihr unter Abitur-Termine.

1. Team zusammenstellen und Rollen verteilen

Drei bis sechs Leute reichen. Wichtiger als die Größe ist, dass jede Aufgabe eine Person hat, die sie am Ende verantwortet. Wer alles gemeinsam macht, macht am Ende alles zu spät.

  • Chefredaktion: hält den Zeitplan, trifft Entscheidungen, spricht mit Druckerei und Schulleitung.
  • Redaktion (2 bis 3 Personen): sammelt Beiträge ein, erinnert, prüft Texte, streicht, was nicht geht.
  • Layout (1 bis 2 Personen): Seitenaufbau, Bilder, Druckdaten. Hier lohnt sich jemand mit Vorerfahrung oder Lust auf Einarbeitung.
  • Finanzen und Sponsoren: Kostenplan, Anzeigen, Vorverkauf, Abrechnung. Oft dieselbe Person wie die Abikasse im Komitee.
  • Fotos: Kursfotos, Lehrkräfte, Veranstaltungen. Früh anfangen, die besten Fotos entstehen im Herbst.

2. Konzept: Format, Umfang, Budget

Bevor jemand einen Text schreibt, legt ihr fest, was die Zeitung sein soll. Drei Entscheidungen reichen am Anfang.

  • Format und Umfang: Üblich sind DIN A4 oder A5 mit 100 bis 200 Seiten. Pro Schüler*in rechnet ihr eine Seite für den Steckbrief, dazu Kurs- und Lehrerseiten, Umfragen, Rankings, Sprüche, Fotos und Anzeigen.
  • Auflage: Jahrgang plus Lehrkräfte plus Familie, die mitkaufen. Erfahrungswert: 1,5 bis 2 Exemplare pro Person. Lieber im Vorverkauf zählen als schätzen.
  • Budget: Druckkosten liegen je nach Umfang, Papier und Auflage oft zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Die Deckung kommt aus Verkauf, Anzeigen lokaler Betriebe und Zuschüssen vom Förderverein. Holt früh zwei bis drei Druckereiangebote ein, das verändert die Planung.

3. Inhalte sammeln: die Phase, in der alles hängt

Hier verlieren die meisten Teams Wochen. Nicht weil Leute nichts abgeben wollen, sondern weil niemand den Überblick hat, wer schon was abgegeben hat. Entscheidend sind ein Ort für alle Beiträge, eine klare Deadline und sichtbarer Fortschritt.

  • Steckbriefe: Jede*r füllt den eigenen Steckbrief aus: Name, Spitzname, Foto und Kinderfoto, Motto, Berufswunsch, dazu eure Fragen. Vorschläge gibt es in der Liste der Steckbrief-Fragen.
  • Stichworte: Alle schreiben Stichworte zu den anderen, jede*r stellt aus den eigenen eine Auswahl zusammen. Das ist der Teil, über den später am meisten gelacht wird, und der Teil, der am meisten Prüfung braucht.
  • Umfragen: „Wer kommt immer zu spät?“, „Wer wird Millionär*in?“: Fragen auf der Umfrage-Liste, ausgewertet als Rankings oder Bestenlisten.
  • Lehrersprüche und Lehrerseiten: Zitate aus dem Unterricht sammelt ihr das ganze Jahr, nicht erst im März. Für die Lehrerseiten fragt ihr die Lehrkräfte früh nach Foto, Steckbrief und Grußwort.
  • Grüße, Kursberichte, Fahrten: Freie Texte mit Zeichenlimit, sonst kommen Romane. 1.000 Zeichen sind viel.
  • Fotos: Kursfotos, Stufenfoto, Fotos von Fahrten und Partys. In Druckqualität, also keine Screenshots aus dem Chat.

4. Redaktion: prüfen, streichen, freigeben

Alles, was gedruckt wird, liest vorher jemand aus dem Team. Das ist keine Zensur, sondern Schutz: für die Personen, über die geschrieben wird, und für euch, weil ihr die Zeitung verantwortet.

  • Nichts, was jemanden bloßstellt, auch nicht als Insider. Was im Jahrgang lustig ist, lesen Eltern, Geschwister und künftige Arbeitgeber*innen mit.
  • Keine Alkohol- oder Drogengeschichten mit Namen, keine Anspielungen auf Beziehungen oder Körper, nichts über Lehrkräfte, was ihr ihnen nicht ins Gesicht sagen würdet.
  • Fotos nur mit Einverständnis der abgebildeten Personen. Lehrkräfte fragt ihr ausdrücklich, ob sie mit Foto und Zitaten erscheinen wollen.
  • Stichworte und Umfrage-Ergebnisse bekommt jede*r vor dem Druck zur eigenen Seite zu sehen. Wer etwas streichen will, darf das.
  • Mit der Schulleitung früh klären, ob sie die Zeitung vor dem Druck sehen will. Ein Nein zu einer Seite kostet eine Woche, ein Nein nach dem Druck kostet die Auflage.

5. Layout und Druckdaten

Das Layout beginnt, sobald die Steckbriefe vollständig sind, nicht erst, wenn alles da ist. Die Schülerseiten sind der größte Block und folgen einer Vorlage, der Rest wird einzeln gesetzt.

  • Erst die Vorlage für eine Schülerseite bauen und von drei Leuten testen lassen, dann alle Seiten daraus erzeugen.
  • Bilder mit mindestens 300 dpi in Druckgröße, Beschnittzugabe meist 3 mm, Farbmodus und Dateiformat so, wie die Druckerei es vorgibt. Die Vorgaben stehen auf jeder Druckerei-Seite.
  • Inhaltsverzeichnis und Seitenzahlen ganz zum Schluss, Anzeigen auf feste Plätze (ganze, halbe, viertel Seite).
  • Probeexemplar oder Vorschau-PDF komplett durchblättern, bevor der Auftrag rausgeht. Jemand, der nicht am Layout saß, findet die Fehler.

6. Druck, Vorverkauf und Ausgabe

Druckereien brauchen je nach Umfang ein bis drei Wochen, bei Bindung eher drei. Rechnet eine Woche Puffer dazu. Die Ausgabe passt am besten zur Zeugnisübergabe oder zum Abiball, dann sind alle da.

Der Vorverkauf startet, sobald Preis und Erscheinungsdatum stehen, am besten mit einer Liste pro Kurs. So kennt ihr die Auflage, bevor ihr bestellt, und das Geld ist da, bevor die Rechnung kommt.

Zeitplan: rückwärts vom Zeugnistermin

Die Termine unterscheiden sich je nach Bundesland. Die Zeugnisausgabe ist meist Ende Juni oder Anfang Juli, die schriftlichen Prüfungen liegen im April und Mai. Den Plan für euer Land mit konkreten Daten gibt es auf den Termin-Seiten.

WannWas
Oktober bis NovemberTeam gründen, Rollen verteilen, Konzept, Druckereiangebote einholen, Fotos beginnen
Dezember bis JanuarSteckbriefe, Stichworte und Umfragen laufen; Sponsoren ansprechen; Lehrkräfte um Beiträge bitten
FebruarAbgabeschluss für Beiträge, Nachfassen bei den Letzten, Umfragen auswerten
MärzRedaktion: prüfen, kürzen, Freigaben einholen; Layout der Schülerseiten
AprilRestliches Layout, Anzeigen setzen, Korrekturlesen, Vorverkauf starten
MaiDruckdaten abgeben, Probeexemplar prüfen, Auftrag freigeben
Juni bis JuliLieferung, Ausgabe zur Zeugnisübergabe oder zum Abiball, Abrechnung

Checkliste fürs Team

  • Verantwortliche Person für jede Rolle benannt
  • Format, Seitenzahl, Auflage und Budget beschlossen
  • Zwei bis drei Druckereiangebote mit Terminen
  • Ein Abgabeort für alle Beiträge und eine Deadline, die alle kennen
  • Steckbrief-Fragen und Umfragefragen festgelegt
  • Lehrkräfte um Foto, Steckbrief und Grußwort gebeten
  • Regeln für Stichworte und Fotos mit dem Jahrgang geteilt
  • Schulleitung einbezogen
  • Vorlage für Schülerseiten getestet
  • Korrekturlesen durch zwei Personen, die nicht gesetzt haben
  • Vorverkauf gestartet, Auflage daraus abgeleitet
  • Probeexemplar geprüft, dann erst Druckfreigabe

Fragen

Gut zu wissen

Wann sollten wir mit der Abizeitung anfangen?

Im Herbst des letzten Schuljahrs, also etwa acht bis neun Monate vor der Zeugnisausgabe. Team und Konzept brauchen wenig Zeit, das Einsammeln der Beiträge dagegen viel.

Wie viele Seiten hat eine Abizeitung?

Meist zwischen 100 und 200 Seiten. Grob: eine Seite pro Schüler*in für den Steckbrief, dazu 30 bis 60 Seiten für Kurse, Lehrkräfte, Umfragen, Sprüche, Fotos und Anzeigen.

Was kostet der Druck einer Abizeitung?

Je nach Umfang, Papier, Bindung und Auflage oft zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Holt zwei bis drei Angebote ein; die Unterschiede sind groß.

Dürfen wir Lehrkräfte in der Abizeitung zitieren?

Fragt sie vorher. Wer nicht erscheinen will, erscheint nicht. Nichts drucken, was verletzend ist oder jemanden bloßstellt, das gilt für Lehrkräfte und Mitschüler*innen gleichermaßen.

Muss die Schulleitung die Abizeitung freigeben?

Rechtlich seid ihr als Herausgeber*innen verantwortlich, nicht die Schule. Trotzdem lohnt es sich, die Schulleitung früh einzubeziehen, besonders wenn die Zeitung in der Schule verkauft oder verteilt wird.

Stand: 27.10.2026

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